Kuratorin Ute Ritschel ist mit der Resonanz auf den 13. Internationalen Waldkunstpfad hoch zufrieden – Biennale endete am Sonntag mit rund 30.000 Besuchenden – Leitthema Demokratischer Wald/Democratic Forest
sorgte für Diskussionsstoff
Darmstadt, 9. Oktober 2026. Bei milder Herbstsonne und angenehmen Temperaturen ging am Sonntag, 4. Oktober, der 13. Internationale Waldkunstpfad im Forst am Böllenfalltor zu Ende. Seit dem 22. August hatten sich 42 Künstlerinnen und Künstler aus 16 Ländern auf dem 2,2 Kilometer langen Rundweg mit Installationen, Performances und Aktionen, mit Musik und Theater dem Leitmotiv Demokratischer Wald/Democratic Forest
genähert. Kein leichtes Thema, das häufig die Frage hervorrief: Was ist am Wald demokratisch?
Er unterliegt den Naturgesetzen, kann nicht wählen, oft gewinnt der Stärkere den Kampf um Nahrung und Licht.
Auch die Kuratorin des Waldkunstpfades, Ute Ritschel, stellte sich zunächst diese Frage, als sie sich mit der Biennale in das internationale Aktionsjahr World Design Capital
einklinkte und dessen Leitmotiv Design for Democracy
zum Ausgangspunkt der Teilnahme wählte. Ihre Antwort darauf wurde zum Credo: Wir wollen dem Wald eine Stimme geben.
Hinschauen, dem Wald Rechte einräumen und den Menschen Pflichten im Umgang mit ihm – darum ging es in den sechs Ausstellungswochen.
Dem folgten die Künstlerinnen und Künstler auf ganz unterschiedliche Weise. Fredie Beckmans aus den Niederlanden beispielsweise erinnert mit seiner Waldkanzel
an den Speaker's Corner im Londoner Hyde-Park. Eher ein Rückzugsort zur stillen Beobachtung des Waldes ist die schlanke Space Time Capsula
der Italienerin Emanuela Camacci. Ein Parlament der Bäume
hat der Schweizer Künstler Roger Rigorth entworfen, und Devora Neumark aus Kanada dachte sich Letters to the Forest
aus. Fantasievoll gingen die deutschen Künstler Jens J. Meyer und Waltraud Munz-Heiliger ans Werk: Meyers Antenne für Inspiration
soll den Waldbesuchern gute Gedanken einflößen, während Munz-Heiligers Waldbaum Mikado
zum gemeinsamen Spiel einlud. Ob Hidden Stories
von Uli Muders – auf Fahnen gedruckte Motive zu zeitkritischen Themen wie Zuflucht
und Ernährung
– oder Dina Rautenbergs gestickter Naturdom
, ob Varol Topacs Tree of Life
oder Rumen Dimitrovs Arch to Democratic Forest
– jedes einzelne Werk fand bei den 15 öffentlichen Führungen seine Bewunderer.
Ute Ritschel zeigt sich mit dem Verlauf der diesjährigen Biennale, die unter der Schirmherrschaft von Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz stand, sehr zufrieden: Mit rund 30.000 Gästen aus der Region und darüber hinaus war auch der 13. Internationale Waldkunstpfad wieder ein voller Erfolg.
Besonders gefreut hat sie sich über Diskussionen zum Stichwort Demokratie
, bei denen sie deutlich machte: Hier geht es um die Verflechtung von Mensch und Natur, Kunst und Wald.
Neben dem Forst am Böllenfalltor hat sich der Internationale Waldkunstpfad im Laufe der 24 Jahre seines Bestehens auf weitere Schauplätze ausgedehnt. In diesem Jahr wurde die Zusammenarbeit mit dem UNESCO-Welterbe Grube Messel und dem UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald fortgesetzt. Im Freigelände der Ausgrabungsstätte kamen drei neue Kunstprojekte unter dem Leitthema Kunst, Wald, Fossil
hinzu. Als dritter Standort fungierte das Internationale Waldkunstzentrum (IWZ) in der Ludwigshöhstraße 137, wo der 3. Digitale Wald seine Heimat fand. Den Schlussstein setzte die 11. Internationale Waldkunstkonferenz mit dem Austausch von Künstlern, Experten und Wissenschaftlern in der Schader-Stiftung.
Vorausgegangen war dem diesjährigen Waldkunstpfad bereits im vergangenen Jahr ein so genannter Call for Proposals
(Aufruf zur Einreichung von Projektideen). Etwa 50 Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Ideen zu Papier gebracht, dokumentiert im Democratic Forest Reader
, der als Broschüre im IWZ zu haben ist und im Internet unter www.waldkunst.com angeschaut werden kann. Rund 30 Projektvorschläge wurden realisiert, weitere kamen hinzu, so dass dieses Waldkunstjahr mit 40 Kunstwerken – 20 feste Installationen und 20 flüchtige Aktionen – in die Geschichte der Biennale eingeht.
Das Ende des 13. Internationalen Waldkunstpfades bedeutet freilich nicht das Ende des Waldkunstgenusses. Die Kunstwerke bleiben, zumindest vorerst. Dagegen wird das Infozelt fürs nächste Jahr eingelagert, und auch die öffentlichen Führungen gibt es nicht mehr – privat können Führungen allerdings weiter im IWZ gebucht werden.
Waldkunst kompakt: Derzeit befinden sich 42 fest Kunstwerke aus früheren Waldkunstjahren und 20 in diesem Jahr hinzugekommene Arbeiten am Hauptstandort Böllenfalltor. An der Grube Messel gibt es elf Kunstwerke, am Modaukunstpfad in Darmstadt-Eberstadt vier Installationen und im IWZ 15 Arbeiten sowie das WaldKUNSTklassenzimmer. Pro Jahr werden rund 130.000 bis 150.000 Besuchende gezählt. Bisher haben 238 Künstlerinnen und Künstler aus 47 Ländern 411 Kunstwerke für Waldkunstpfade gestaltet – außer in Darmstadt auch in den USA, in China, Afrika und Österreich.
Veranstalter der Biennale ist der Verein für Internationale Waldkunst e. V. mit Sitz in Darmstadt.
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Claudia Ehry |